Es gibt tausend Gründe, die für ein Gap Year sprechen und eben soviele Möglichkeiten – von Wildtierpflege in Südafrika über Au pair in Amerika oder Freiwilligenarbeit im Nachbardorf. Da ich inzwischen selbst vor fast einem Jahr mein Abitur gemacht habe, wollte ich euch ein bisschen von meinen Erfahrungen berichten und euch einen kleinen Überblick verschaffen. Vielleicht überlegt ihr euch ja gerade, nach dem Abitur, bestandener Ausbilder oder Bachelorabschluss wegzugehen oder ein Jahr auszusetzen?

Die Klassischen

  • Als Au Pair betreust du meist ein bis vier Kinder und das in allen Bereichen und kannst nebenbei ein anderen Land entdecken. Ein Au Pair Alltag kann ganz verschieden aussehen: Von 9-10 Stunden am Stück montags bis freitags mit freiem Wochenende bis zu Arbeit, die über die ganzen sieben Tage der Woche immer wieder unregelmäßig verteilt ist. Wichtig ist aber, dass es so oder so eine sehr anstrengende Arbeit sein kann. Du solltest dir also gut überlegen, was für eine Familie du wählst und dir von deiner Organistation keinen Stress machen lassen, du wirst eine gute Familie finden, nimm bloß nicht die erstbeste! Überleg dir gut, welches Alter du betreuen möchtest und ob du gut allein sein kannst. Denn Heimweh und viel Zeit, in der du allein bist kann dir das Leben genauso schwer machen wie eine schreckliche Familie. Bleibe realistisch, dieses Jahr muss nicht zwingend das beste deines Lebens werden, es erfordert viel Arbeit, geht manchmal schief, manchmal ist es wunderschön. Das ganze ist auf jeden Fall kein Traumurlaub, sondern ein harter Job, der dir aber tolle Möglichkeiten eröffnen kann, ein anderes Land kennen zu lernen und sehr schön sein kann! Rede lieber mit Au Pairs, die gerade im Land sind anstatt mit denen, die wieder da sind, da wir Menschen einfach dazu neigen, Dinge im Nachhinein zu romantisieren 😉 Wenn dir ein Jahr zu lang ist, kannst du auch in Europa oder Australien/Neuseeland nur ein halbes Jahr oder sogar als Seasonal Au Pair nur über den Sommer arbeiten.

  • Bei einem FSJ kannst du dich im In- und Ausland sozial engagieren. Du arbeitest meist vollzeit, bekommst dafür ein Taschengeld und oft auch eine Unterkunft gestellt. Die Arbeitsstellen sind vielfältig, am besten ist es, auf den Seiten der großen Verbände wie AWO, Diakonie etc. nachzuschauen. Nicht zu unterschätzen ist der Arbeitsaufwand, deswegen würde ich auf jeden Fall empfehlen, mindestens einen Tag auf Probe zu arbeiten, um dir genau vorstellen zu können, was auf dich zukommt! Schließlich ist nicht alles, was glitzert auch Gold. Das FSJ beginnt meist im September und geht ein Jahr, manchmal kann man auch ein halbes Jahr vereinbarn. Ab 6 Monaten wird es dir auch bei der späteren Unibewerbung angerechnet. Vernetzen kannst du dich außerdem bei den Seminaren.

  • Der Bundesfreiwilligendienst ist im Grunde dem FSJ sehr ähnlich, aber breiter gefächert und flexibler. Beginnen kannst du jederzeit, die Dauer reicht von mehreren Monaten bis zu eineinhalb Jahren. Hier kannst du dich auch außerhalb des sozialen Bereichs im Sport, im Umweltschutz etc. engagieren, bekommst ebenfalls Taschengeld und je nachdem auch Kost und Logis. Während deines Dienstes musst du außerdem auf Seminare fahren, darunter zwingend eins zur politischen Bildung. Wie das FSJ wird der BFD dir bei den meisten Universitäten positiv angerechnet. Bei beidem verdienst du natürlich wenig Geld und arbeitest sehr viel, da es ein freiwilliger Dienst ist- das sollte einem bewusst sein. Reich werden und nur chillen kann man nicht 😉 Stellen findet man auf der Homepage in der Sucheinstellung sehr einfach und schnell.

  • Work and Travel verspricht Abenteuer und viel Spaß, ist aber in Realität oft lots of work and less travel. Besonders als kleines, fragiles Mädchen sollte man sich meiner Meinung nach genau überlegen, wo und ob man das machen möchte, da die Arbeiten oft körperlich sehr anstrengend und schlecht bezahlt sind. Am besten ist da wohl, nicht allein zu fahren und einen Finanzpuffer zu besitzen. Wer nichts gegen harte Arbeit hat und sozialkompetent und unabhängig ist, hat die besten Voraussetzungen aus meiner Sicht. Denn es bieten sich durchaus tolle Möglichkeiten, viel zu sehen und Erinnerungen, die man nie vergessen wird, zu sammlen.

Die etwas Ungewöhnlichen

  • Du willst möglichst viel von der Welt möglichst bald sehen? Bei der Lufthansa und anderen großen Fluggesellschaften gibt es immer wieder die Möglichkeit, für einige Monate bis zwei Jahre als Steward/ess zu arbeiten und so die ganze Welt zu bereisen. Für die Bewerbung muss man gewissen optischen Absprüchen (Größe, Gewicht, gepflegte Erscheinung) entsprechen und möglichst Englisch und eine weitere Fremdsprache beherrschen. Doch alles hat seinen Preis: Für die Möglichkeit, in alle möglichen Städte der Welt zu fliegen, musst du dich mit unfreundlichen Reisenden, schlechter Luft, Jetlags und Ähnlichem herumschlagen.

  • Wer die Schule irgendwie doch nicht so schlecht fand, kann sich auch überlegen, ein FSJ Schule zu machen, also ein freiwilliges Jahr an einer Schule zu verbringen, Nachhilfe zu geben, Hausaufgabenbetreuung zu machen, der SMV helfen und mehr. Am besten einfach mal schaun unter FSJ Ganztagesschule oder FSJ Kultur und Bildung.

  • Für echte Naturfans und Landmenschen bietet sich auch die Organisation WWOOF (World wide opportunities on organic farms) die in fast jedem Land existiert und es Menschen ermöglicht, für Kost und Logis auf Farmen und Bauernhöfen mitzuarbeiten. Oft muss man eine kleinen Mitgliedbeitrag zahlen und kann sich dann auf der WWOOF Homepage des jeweiligen Landes anmelden.

Die Teuren

  • Über Veranstalter wie Travelworks oder Praktikawelten kann man auch Freiwilligenarbeit im Ausland leisten, wie z.B: Sozialarbeit mit Kindern oder Wildtierpflege. Auf die gleiche Stufe wie ein FSJ kann man das aber nicht stellen, da man hier meist nicht mehr als vier Stunden am Tag arbeitet und viel Zeit zum reisen und faulenzen hat. Verschiedene Länder und Projekte können frei kombiniert werden Dafür ist das ganze auch um einiges teurer, kein Vergleich zu allen anderen Organisationen. Ihr bezahlt dafür, dass ihr am Ende ein Zertifikat habt, die Zeit sinnvoll verbracht zu haben, auch wenn ihr vielleicht mehr Urlaub als alles andere macht 😀

  • Eine Europa- oder Weltreise ist auch eine wunderbare Idee, am besten, um Freunde aus aller Welt zu besuchen oder die beste Freundin mitzunehmen. Manche Fluggesellschaften bietet sogar extra dafür spezielle Flugtickets an, ansonsten lohnen sich auch Websites wie Rome2Rio. In Europa lohnt sich auch ein Interrail-Ticket. Die meisten vergessen, wie wunderschön und vielseitig unser Kontinent ist…

  • Ein Austauschjahr oder ein Jahr an einem amerikanischen College ist auch immer eine Option, die zwar sehr teuer, aber unglaublich vielseitig und schön sein kann. Angeboten wird so etwas zum Beispiel von EF, über Organisationen wie Rotary kann man jedoch auch billiger davon kommen, wenn man an einem kulturellen Austausch interessiert ist und das Auswahlverfahren besteht.

  • Sprachkurse in China, Praktika in New York? Wer das nötige Kleingeld hat, kann auch so Erfahrungen sammeln, aber, wie gesagt, so etwas ist sehr, sehr teuer und wird meist von den selben Organisationen angeboten, die auch Au Pair, Work and Travel und Co anbieten, z.B. Stepin.

Abgesehen davon gibt es natürlich jeweils noch spezielle Programme und Abwandlungen, wie z.B. das FSJ Politik oder Kultur, das aber in jedem Bundesland ein wenig anders gehandhabt wird. Auch Arbeiten ist natürlich eine Option, besonders, um sich etwas Teures finanzieren zu können. Meine letzte Idee wäre nämlich, einfach verschiedenste Dinge zu kombinieren, wenn ihr euch nicht auf eine Sache festlegen wollt. Ihr könntet euch z.B. ein halbes Jahr sozial engagieren oder arbeiten und dann auf Reisen gehen, oder erst reisen und dann als Seasonal Au Pair arbeiten, oder, oder… Nutzt das Jahr, mal etwas ganz anderes zu machen und lasst euch nicht unter kriegen, sollte Plan A (oder auch Plan B) nicht klappen, ihr findet schon etwas, auch wenn euer Plan ursprünglich ganz anders war! Um es kurz zu machen: The world is yours, sista!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Comment *