8. September, vor einem Jahr saß ich im Flugzeug nach New York  –

Ein Resume

New York City. Eine Woche: San Francisco. Damit began endgültig mein Gap Year. Auslandsaufenthalte, FSJ, Freiwilligenarbeit- in meinem Lebenslauf liest sich dieses Jahr perfekt. Wäre ich in einem Interview für eine Stelle oder in einem Gespräch mit einer neuen Bekanntschaft könnte ich noch hinzufügen, dass ich auf verschiedensten Kontinenten war und etliche Länder bereist habe. Pazifik, Atlantik, Karibik, Mittelmeer.

Das ist eben nur die eine Seite der Medaille. Was nicht auf dem Papier steht ist, dass dieses Jahr nicht nur New York, sondern auch die dunkelsten Momente meines Lebens beinhaltet hat, dass es mich an den grundsätzlichsten Dingen hat zweifeln lassen und an mir, dass ich immer wieder in kleine und große Löcher gefallen bin, nur um herauszuklettern und wieder hinzufallen. Wo soll man sowas auch dazu schreiben, unter „spezielle Talente und Fähigkeiten“? Okay, Spaß oder Sarkasmus -ich weiß selbst nicht, was das gerade war- mal beiseite, wieso erzähle ich das? Zum einen hilft es, darüber zu schreiben, all die Gedankenfluten in meinem Kopf in die Ordnung ganzer, logischer Sätze zu bringen und zum anderen kennt ihr sonst nur meine perfekten Urlaubsbilder, meine fröhlichen Selfies und mein schönes Essen. Auch sonst besteht Instagram aus vielen kleinen perfekten Bildern mit vielen Menschen, deren Leben perfekt scheint. Aber das ist es nie.

Ich war ein unglaublich schüchternes kleines Mädchen, dass im Laufe der Jahre extrovertiert und neugierig wurde und dem Klippenspringen, Höhen oder Fliegen keine Angst mehr machen. Nur klein bin ich immer noch! Okay, und Angst habe ich auch. Aber nicht vor Spinnen oder Räubern. Ich beginne bald mit dem Studium, hallo, neuer Lebensabschnitt. Was, wenn ich nie das finde, was mir Spaß macht? Wenn ich gnadenlos scheitere an der Aufgabe, mein Leben selbst zu gestalten? Die Gedanken, mit dem nicht fertig zu werden, machen mir Angst. Verdammt nochmal ziemlich viel Angst. Und das, obwohl ich nicht aus meinem Heimatladen fliehen muss, meine Eltern  und Freunde mich unterstützen und ich mit guten Noten, Ehrgeiz und Interesse in die Welt der Erwachsenen eintrete. Obwohl ich die besten Voraussetzungen habe, flippe ich manchmal fast aus. Create a life you love ist nämlich einfacher gesagt als getan wenn man gar nicht weiß, wie dieses Leben aussehen soll.

Hinter den schön angerichteten Essensbildern und den weißen Stränden mit blauem Wasser steckt jemand, der sich manchmal genauso beschissen fühlt wie du, wenn irgendwie gerade alles nicht so läuft. Ich wünschte, mehr Menschen hätten darüber geschrieben, als ich dachte, ich bin die einzige, die das alles nicht so auf die Reihe bekommt, wie es doch sein sollte. Ein Jahr später weiß ich: es geht fast allen so, aber wir lesen meisten eben doch nur das, was auf dem Papier steht.

4 Comments on One Year Later

  1. Lena
    10. September 2015 at 9:13 (2 Jahren ago)

    Ich glaube, solche Gedanken sind in dem Alter ganz normal. Man steht an einem Scheidepunkt und hat Angst, die falsche Entscheidung zu treffen. Aber man muss sich jetzt noch nicht entscheiden, was man den Rest seines Lebens machen möchte. Man kann sich ausprobieren, Sachen austesten und immer zu jedem Zeitpunkt eine neue Entscheidung treffen. Man lernt ja auch aus all seinen Erfahrungen und entwickelt sich zu einem Menschen, der man vorher noch nicht war 😉 Mir hilft dieser Gedanke.

    Liebe Grüße
    Lena | http://www.healthylena.de

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    • CharlotteSofie
      10. September 2015 at 19:44 (2 Jahren ago)

      Ja, da hast du sicher Recht! Ich will natürlich auch hinter meinend ehr erfolgreichen Eltern nicht zurückstehen, all die „Hoffnungen“ der Verwandten und ehemaligen Lehrer nicht enttäuschen und mich auch nicht haha. Ich bin leider sehr verwöhnt, weil meine Schulzeit sehr einfach und erfolgreich war, ich glaube, was scheitern angeht muss ich noch sehr viel lernen… Aber mein neuer Lieblingsspruch: Bad choices make great stories! xx

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  2. Hanna
    27. September 2015 at 16:46 (2 Jahren ago)

    Geht mir gerade genau so 🙂
    Fange dieses Jahr mit meinem Studium an und habe keine Ahnung ob es die richtige Entscheidung war, aber ich denk ich kann dies nur erfahren indem ich springe und es ausprobiere. Was studierst denn du?

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    • CharlotteSofie
      29. September 2015 at 10:53 (2 Jahren ago)

      Da bin ich ja wenigstens nicht alleine! Ich studiere Psychologie 🙂 Und du?

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