Manchmal wünschte ich, mein Leben wäre eine Geschichte. Dann würde ich, die Chefredakteurin in Kostüm, mit Dutt und Brille, sagen: „Nein, nein, streich das letzte halbe Jahr mal raus, sowas können wir doch nicht veröffentlichen, schreib das um, so etwas will doch keiner lesen, da fällt dir sicher etwas besseres ein, aber möglichst bald bitte, du weißt – die Deadline.“

Aber meine Leben ist nunmal genau das, ein Leben, keine Geschichte, gedruckt mit Hochglanzcover und von vorne bis hinten geplant, verbessert, umgeschrieben, perfektioniert. Ich bin nicht 19 und Superstar, habe Kinder gerettet, Weltfriede gebracht. Ich bin 19 Jahre alt und froh darüber, morgens aufzuwachen und nicht unglücklich zu sein. Wenn ich den Tag nicht mit grübeln verbringe, bin ich stolz auf mich, wow, du hast es echt geschafft heute, mach weiter so.

Ich kann ja selber nicht glauben, was seit Juni so alles passiert ist- huch, die Schule ist für immer vorbei, dieses Abitur ist auch bestanden und herzlichen Glückwunsch, Sie sind seit eineinhalb Jahre erwachsen. Wäre dies ein Buch, würde ich immer wieder zurück blättern, nach fehlenden Seiten suchen, da stimmt doch irgendwas nicht, der Zusammenhang fehlt, soll das ein Stilmittel sein?

Aber nun, nun ist endlich Frühling. Die Tage werden länger, die Dunkelheit verkriecht sich, die Welt wird bunt und voller Vogelgezwitscher. Das Gefühl der warmen Sonne auf der Haut ist wie ein Versprechen, es wird alles wieder gut, wispert die Sonne mir ins Ohr und beugt sich ein Stück weit vom Himmel zu mir herunter. Es kann so einfach sein, nicht unglücklich zu sein.

Ich würde immer noch Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um alles, was die Zeit sich geschnappt hat, was viel zu schnell vorbei war, wieder zu bekommen. Ich würde mich nicht zweimal bitten lassen, wenn nachts eine Fee in mein Zimmer käme, drei Wünsche, klar, da fällt mir etwas ein. Ich würde immer noch gerne im Boden versinken oder urplötzlich verstummen, wenn ich jemanden wieder treffe. Wie geht es dir, na, was hast du so gemacht? Wie gut, dass die meisten sowieso nicht zuhören wollen.

Aber immer, wenn ich morgens aufwache und es mir gut geht, wenn keine düsteren Gedanken mir die Luft zum Atmen nehmen wollen, die Zukunft kein Monster mehr ist, dem ich nicht entkommen kann und die Welt ein kleines Stückchen besser aussieht, dann weiß ich, dass es auch so funktionieren wird. Auch ohne Chefredakteur, ohne Fee und ohne Zeitmaschine. Dass ich gar keinen brauchen werde, der meine Welt wieder rosarot und wunderschön zaubert. Und plötzlich werden die Haare grau, der Dutt lockerer und aus der Chefredakteurin eine weise, alte Frau. Die Zeit heilt alle Wunden, meine Liebe, du darfst nur nie aufhören, daran zu glauben, dass alles besser wird. Manchmal muss man einfach abwarten, Tee trinken- ach, nimm dir noch einen Keks, am besten gleich zwei – du siehst so dünn aus, meine Liebe.

4 Comments on In The Darkest Skies We See The Brightest Stars

  1. alaska
    18. April 2015 at 22:52 (3 Jahren ago)

    Wow, was für ein wundervoll geschriebener und so wahrer Text! Du schreibst echt toll!!! Würde am liebsten ein Buch von dir lesen 😉
    Ich liebe deinen Blog ♡

    Antworten
    • CharlotteSofie
      19. April 2015 at 14:20 (3 Jahren ago)

      Oh mein Gott wie süß bist du denn?! Vielen, vielen Dank! Bis jetzt hat es nur für eine Kurzgeschichte gereicht haha 😀 Fühl dich gedrückt und schönen Sonntag!

      Antworten
    • Bettina
      26. Juni 2015 at 21:33 (3 Jahren ago)

      Dieses Kommentar von alaska kann ich nur unterstreichen…. du bist ein Schreibtalent, wohl von dir selber noch nicht entdeckt. (-; Bitte schreibe! Die Überschrift hatte mich angesprochen…. und mich nun auch berührt was du schreibst. Klar, manches möchte man erstmal aus dem Leben herausstreichen. Aber mit etwas längerem Rückblick weiß man später, dass selbst diese Phasen aus einer anderen Perspektive gesehen mindestens genauso wichtig und wertvoll waren, wie die „guten“ Zeiten. Ich möchte nichts mehr missen, auch wenn ich manches nicht wiederholen möchte. (-;

      Antworten
      • CharlotteSofie
        2. Juli 2015 at 15:31 (3 Jahren ago)

        Oh, vielen, vielen Dank, da wird man ganz rot… Danke! <3

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